Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

Kreisgruppe Recklinghausen

Bäume für den Klimaschutz

Bildung oder Bäume? Bildung und Bäume!! Mehr Investitionen in Bildung!

Platanen an der Reitwinkelschule. Leserbrief vom 01.02.2020:

Stellungnahme zu den drei Leserbriefen zum Thema: Neubauten an der Reitwinkelschule

Die Argumentation von Frau Kleiner möchte ich an dieser Stelle aus meiner Sicht ergänzen.

Auch ich habe die Reitwinkelschule von innen besichtigt und die unhaltbaren Zustände in den Kellerräumen gesehen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf zum Wohle der Kinder und um die Schule funktionsfähig zu erhalten.

Allerdings ist eine bestehende Alternative zur jetzigen Planung (Neubau an der Ostseite des Schulhofs) öffentlich unbekannt geblieben und wurde von vornherein nicht berücksichtigt oder diskutiert.

Zudem ist es unredlich, die Diskussion auf die Alternative „Bildung oder Bäume“ zu reduzieren und somit Baumschützern Bildungsverhinderung zu unterstellen. Stattdessen muss die Gesamtproblematik sachlich analysiert und gelöst werden, denn mit dem Neubau einer Mensa ist es an dieser Schule nicht getan:

 

1. Das Abwassersystem der Schule ist renovierungsbedürftig. In den Kellerräumen entstehen immer wieder Fäkalienüberschwemmungen, die sich auch sofort beim Betreten der Kellerräume durch muffigen Geruch feststellen lassen. Unklar ist, ob sich diese Situation nach Fällung der Bäume bessern würde.

Schuld sind nicht die Platanen, sondern das veraltete und marode Abwassersystem der Schule. Platanenwurzeln nehmen dann gerne das Nahrungsangebot der Leckage an.

2. Schwer erträgliche Bedingungen ergeben sich auch aus der veralteten Heizung der Schule. Die Temperatur in den Unterrichtsräumen ist nicht regulierbar und trotz mutmaßlich schlechter Wärmedämmung deshalb meistens zu hoch, die Heizung verursacht ohne energetische Sanierung hohe Kosten und Emissionen.

3. Wie im Leserbrief von Frau Kleiner beschrieben, werden besonnte Schulräume, Schulhöfe und Kantinen im Sommer unerträglich heiß, Baumschatten mildern diese Effekte und wenn ein großer blattreicher Baum erst gefällt ist, können seine positiven Wirkungen über viele Jahrzehnte nicht mehr ersetzt werden.

Die Einschätzung von Frau Kleiner kann ich deswegen nur unterstützen, eine Alternativplanung mit einer Grundsanierung des Abwassersystems oder im Idealfall ein Neubau unter Schonung des Baumbestandes würde mehrere Probleme beseitigen: Platzmangel, Energieverschwendung, Aufheizen der Schulräume. Die Fällung der Platanen löst den Sanierungsstau und die Energieprobleme nicht.

Inge Bischof

BUND Ortsgruppe Recklinghausen

Klima schützen - Stadtbäume erhalten!!

In Zeiten des Klimanotstands ist es wichtig, auch schon länger geplante Maßnahmen im Hinblick auf stadtökologische Folgen noch einmal zu überdenken. Viele alte Bäume, die aus unterschiedlichen Gründen gefällt werden sollen, sind Jahrzehnte alt, fest verwurzelt, gesund und können sich selber mit dem nötigen Wasser versorgen. Wir werden es wahrscheinlich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit Extremwetterlagen zu tun haben und da sind die "Leistungen" von Bäumen von großer Bedeutung für uns. Bäume an heißen Sommertagen bieten Schatten, reduzieren an Ort und Stelle Feinstaub, Pilzsporen und Kohlendioxid, wirken Temperatur ausgleichend und durch die Verdunstungskälte kühlend. Ersatzpflanzungen erfordern zudem viel Pflege (Aufwand für Bodenbearbeitung, Pflanzung, Bewässerung) und werden meist nicht am Ort der Fällung vorgenommen.

Bäume legen in den ersten Jahren nach der Pflanzung eher geringe Biomassevorräte an. Erst mit zunehmendem Alter wird vermehrt CO2 verbraucht und im Holz gespeichert. Alte Bäume sind also besonders wichtig - sorgen wir für ihren Erhalt!!

 

Platanen

- bevorzugen sonnige Standorte

- sind genügsam

- kommen auch mit starker Luftbelastung zurecht

- reinigen die Luft

- sind ideale Schattenspender, wenn die Mittagshitze unerträglich wird

- sind gut schnittverträglich, lassen sich zur Dachform heranziehen

- ihr weit verzweigtes Laubdach bietet genügend Platz für Sitzgruppen

 

 

Platanendach in Seguret, Frankreich  (I. Bischof)

 

Eichen

Sie sind mit ihren tiefen Pfahlwurzeln standfest und können trockene Sommer gut überstehen. Sie sind lichtverträglich und daher auch gut als Solitärbäume geeignet. Sie sind Lebewesen, die über 1000 Jahre alt werden können wie die Femeiche in Erle, Raesfeld , die zwar ihr Kernholz schon lange verloren hat, aber in den Außenbereichen noch sehr vital ist.

Dann gibt es noch die Piuseiche, ebenfalls in Erle, ein sehr stattlicher und gesunder Baum, der zu den vielen Friedenseichen gehört, die 1871 nach dem deutsch-französischen Krieg als Mahnung gepflanzt wurden. Das erwartete lange Leben dieser Eichen sollte die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass auch der Friede zwischen beiden Ländern lange dauern möge.

Eichen können also sehr alt werden, was sie am meisten stört, ist die Säge.

Dieser soll die „Alte Eiche“ in Castro-Rauxel im Zuge einer Baumaßnahme zum Opfer fallen.

In diesem Gebiet finden sich auch viele einige Meter hohe Jungeichen, deren Leben ebenfalls bedroht ist.

Kein Problem?

Welcher Schaden entsteht denn eigentlich, wenn man so einen alten Baum fällt und jungen Eichen nicht die Chance auf ein längeres Leben lässt?

Mit ihren über 300 000 Blättern besitzt eine 100jährige Eiche eine riesige Blattoberfläche, die für den Gasaustausch und als Filter zur Verfügung steht. Durch Lufträume im Blattgewebe erhöht sich die Zelloberfläche nochmal erheblich auf ca. 15 000 m². Im Zellgewebe wird durch Aufnahme von Kohlenstoffdioxid mit Hilfe der Fotosynthese täglich Sauerstoff produziert und die Luft von Schadstoffen, Pilzsporen, Bakterien und Staub gereinigt. Außerdem werden die 300 l Wasser, die dieser Baum im Sommer täglich aus dem Boden aufnimmt, über die Blätter wieder verdunstet und die Umgebungsluft dadurch gekühlt. Aufgrund der vielen Blätter mildert sie auch Starkregenfolgen.

Eine 100 Jahre alte Eiche kann täglich die Kohlenstoffdioxid-Produktion von 2 ½ Einfamilienhäusern verarbeiten und für 10 Menschen täglich den Sauerstoffbedarf decken.

Fällt man nun einen solchen Baum, weil ein Investor dort verdienen möchte oder aus anderen Gründen, sähe ein gleichwertiger Ersatz so aus:

Um die Leistung einer 100jährigen Eiche für das Leben auf der Erde vollwertig zu ersetzen, wären etwa 130 zehnjährige Eichen mit einem Kronenvolumen von zusammen 4000 m³ nötig. Der Kostenaufwand pro Stück beträgt mindestens 400 Euro, macht zusammen 52 000 Euro. Die benötigte Fläche noch dazugerechnet, kommt man leicht auf einen Betrag von 100 000 Euro.

Fällungen sind daher noch nicht einmal ökonomisch zu rechtfertigen und Bäume sind eigentlich das „Tafelsilber“ im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels.

 

 

Alte Eiche Castrop-Rauxel

Buchen

Schirmschlag, d. h. das Auslichten von Buchenbeständen, wie in diesem Jahr an der B 225 am Steinern Kreuz durch die Stadt Marl, hat fatale Folgen für die Gesundheit der Bäume und ein intaktes Bodenleben.

Die Buche ist ein Schattenbaum und angewiesen auf ein geschlossenes Kronendach. Wird ausgelichtet, so kann durch die jetzt stärkere Sonneneinstrahlung Sonnenbrand an den Stämmen auftreten und am Boden können Wärmeinseln entstehen,  auf denen die wärme- und trockenheitsempfindlichen Pilze nicht mehr existieren können. Eine weitere Folge ist, dass die Buchensamen zu früh keimen, was sich zum Nachteil der natürlichen Waldverjüngung auswirkt und der ausgelichtete Wald anfälliger für Windbruch wird.

Bäume sind im Boden mit Pilzsystemen durch Symbiose zum Vorteil beider Partner verbunden. Den Pilzen fehlt unterirdisch die Fähigkeit zur Fotosynthese und sie sind daher auf die Zusammenarbeit mit Bäumen angewiesen, die ihnen Kohlenhydrate zur Verfügung stellen. Die Pilze wiederum erweitern den Einzugsbereich des Wurzelsystems der Bäume erheblich, erleichtern die Wasseraufnahme und liefern wichtige Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff als Ammonium und Nitrat sowie Spurenelemente wie Eisen, Zink und Kupfer.
Pilzsysteme erhöhen die Nährstoffaufnahme, aber auch die Trockenstresstoleranz und die Widerstandsfähigkeit von Bäumen gegenüber Schädlingen. Ein gesundes Bodenleben mit Pilzen ist daher entscheidend für das Wachstum und die Gesundheit der Bäume.


Lichtet man Buchenwälder aus und verdichtet den Boden auch noch durch den Einsatz von schweren Geräten, so führt das zu massiver Schädigung des ganzen Bestands, zu verminderter Standfestigkeit der restlichen Bäume und zu empfindlichen Störungen des so notwendigen Zusammenlebens Baum – Pilzsystem und muss als forstwirtschaftlicher Fehler bewertet werden.

 

Buchenwald, "Die Burg", Marl-Sinsen  (I. Bischof)

BUND-Bestellkorb