Schneller Erfolg: Naturwäldchen am Nattbach an der Helmutstraße in Brauck gerettet

In der ersten Augusthälfte konnte von BUND Gladbeck und der Anwohnerschaft in Brauck-West das ca. 4000 m² große, o.g. Naturwäldchen am Nattbach gerade noch rechtzeitig vor den Plänen der Stadt, es für ca. 80 Parkplätze zu opfern, gerettet werden.

Zum Hintergrund:

Laut Vorlage im Planungsausschuss des Rats der Stadt Gladbeck am 22. August 2024 ist im Rahmen der Umgestaltung der Straßen wegen Kanalsanierung auch dieser Quartiersparkplatz als Ausgleich für wegfallende Parkplätze vorgesehen. Alle Parteien haben zugestimmt, die Verwaltung zu beauftragen, die vorgelegte Planung weiter zu verfolgen. Kein Wunder, denn in der Vorlage war davon die Rede, dass „eine „klimaschützende Stadtentwicklung“ und „Entsiegelung von Flächen mit Erhöhung von Grün (!)“ geplant sei und dass die Planung „klimaneutral“ sei.

Darin sieht der BUND eine irreführende Behauptung, denn mit der beabsichtigten Rodung des Nattbachwäldchens, aber auch des Fällens der alten Platanenallee an der Franzstraße (32 Bäume) für die Erneuerung der Kanalisation trotz geplanter Neuanpflanzungen auch in Nachbarstraßen, sollte genau das Gegenteil umgesetzt werden.

Durch das Hilfegesuch von AnwohnerInnen ist der BUND auf das Problem aufmerksam gemacht worden. Sie baten um Unterstützung in ihrem Kampf um Erhalt ihrer Frischluftzufuhr. In einer Veranstaltung der Stadt waren sie über das Vorhaben informiert worden und einige von ihnen wurden aufgefordert, ein Wegerecht über ihr Grundstück einzuräumen, denn die Planungen für den Quartiersparkplatz sah einen Fußweg mit Fußgängerbrücke über den Nattbach vor, der über ihr Grundstück führen sollte. Dieses Wegerecht haben alle Betroffenen verweigert.

Der BUND startete nun eine Abfrage bei allen demokratischen Parteien und BürgermeisterkandidatInnen, wie sie zur Vernichtung des Waldes zugunsten eines Quartiersparkplatzes stünden. Auch schrieb er den Baurat wegen der Angelegenheit an. Antworten erhielten sie von den Grünen, der SPD sowie dem CDU-Kandidaten Peter Rademacher. Die BIG antwortete nicht, stellte aber für die nächste Sitzung des Planungsausschusses eine entsprechenden Antrag für den Erhalt des Waldes.

Peter Rademacher hielt den geplanten Quartiersparkplatz für zu abgelegen, um von der Anwohnerschaft angenommen zu werden und lehnte deswegen die Abholzung ab. Die Grünen sprachen sich gegen die Abholzung des Nattbachwaldes als klar gegen ihre Ziel gerichtet aus. Die SPD und die Grünen antworteten ähnlich und bezogen sich dabei auf aktuelle Planungsänderungen der Verwaltung. Die SPD machte dabei deutlich, dass in den Wald „weitere Eingriffe nicht mehr notwendig“ sein werden.

Auf die neue Planung wies auch der Baurat in seiner Antwort mit dem entscheidenden Satz hin: „der Stand ist so nicht mehr aktuell“. In seinen weiteren Ausführungen sprach er allerdings lediglich von der Regenrückhaltung: „..war die Fläche als Potential für eine mögliche Regenrückhaltung angesehen worden, da der Bereich aufgrund verschiedener Ursachen gerade in der Starkregenvorsorge vor besonderen Herausforderungen steht. Der Quartiersparkplatz wäre dann nur eine Zusatznutzung dieser Fläche gewesen.“ Auf den ökologischen Wert des Waldes ging er allerdings nicht ein. Er ist von einer erheblichen stadtklimatischen Bedeutung, schützt vor Hitzestau und sorgt für einen Luftaustausch sowie Frischluftzufuhr. Tiere und Pflanzen haben dort einen unberührten Lebensraum mitten in der Stadt. Und selbstverständlich speichert ein Wald Wasser. Wieso seine kostenintensive Abholzung ausgerechnet für Regenrückhaltung, die er sowieso leistet, angedacht war, erschließt sich uns nicht.

Das entschlossene Auftreten des BUND, der Anwohnerschaft, die auf Anregung des BUND in nur wenigen Tagen ca. 150 (nun glücklicherweise überflüssige) Unterschriften für den Erhalt des Naturwaldes sammelte, sowie wohl auch der Antrag der BIG haben dazu geführt, dass keine Partei und keinE BürgermeisterkandidatIn das Vorhaben der Stadt mehr unterstützt. So lässt sich das ungewöhnlich schnelle Zurückrudern der Verwaltung erklären. BUND und Anwohnerschaft werden genau beobachten, ob die Zusage des Erhalts des Waldes auch eingehalten wird.

Es ist zu hoffen, dass er bei allen Verantwortlichen das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Wald und Bäumen wachsen lässt.

Rad- und Umweltkongress mit BürgermeisterkandidatInnen

5 KandidatInnen beantworten Fragen zur beabsichtigten Umweltpolitik

Gladbecker BürgermeisterkandidatInnen von rechts nach links: Rademacher (CDU), Fr. Weist (SPD), Steinzen (FDP), Kellermann (BIG), Jurkosek (Linke) in der Mitte die beiden Vorsitzenden von BUND und ADFC

In Gladbeck haben ADFC und BUND erstmals gemeinsam zum Rad- und Umweltkongress mit BürgermeisterkandidatInnen am 10.7.25 im Bürgerhaus Ost eingeladen und damit den Kommunalwahlkampf eröffnet. Knapp 70 Personen folgten der Einladung im überfüllten Raum, obwohl die Lokalpresse sie trotz Unterrichtung nicht veröffentlicht hatte. Die BürgermeisterkandidatInnen von SPD (Bettina Weist); CDU (Peter Rademacher) , FDP (Sebastian Steinzen), Linken (Rüdiger Jurkosek) und BIG (Markus Kellermann) erhielten die Gelegenheit, auf ihnen im Vorfeld zugesandte Fragen in jeweils 10 Minuten zu antworten. Die Grünen fehlten leider, denn sie haben keinen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt.

Nach den Statements der KandidatInnen wurden die von den Gästen auf Karteikarten aufgeschriebenen Fragen sortiert und in inhaltlichem Zusammenhang vorgelesen, damit die PolitikerInnen sie beantworten konnten.

Im folgenden werden die Antworten auf die Fragen dargelegt und mit einem Kommentar vom BUND versehen.

Fragen zum Thema Umwelt:

  • Wie stehen Sie zur Entsiegelung von Flächen, wie Schulhöfen und öffentlichen Plätzen, als Maßnahme gegen Hitzeinseln durch den Klimawandel?

Fast alle KandidatInnen hatten mit dem Thema Entsiegelung und Maßnahmen gegen Hitzeinseln Mühe. Entsiegelung im öffentlichen Raum konnte sich nur Herr Jurkosek mit einem Beispiel, dem Oberhof, vorstellen, fordert in allgemeinen aber mehr davon, jedoch ohne Beispiel auch Herr Kellermann. Für alle anderen ist Entsiegelung zwar wichtig, aber allein die Aufgabe der Privatpersonen, wobei sie auf das alte Programm des Rückbaus der privaten Steingärten verwiesen und sie an die Verfügung von Fördermitteln banden – so Herr Steinzen und Herr Rademacher. Letzter fand Entsiegelung für Schulhöfe prima, aber auch (zu) teuer. Herr Steinzen kritisierte außerdem, dass Hausbesitzer ihre Vorgärten zu (privat bezahlten) Parkplätzen umwandeln und zieht es vor, dass die Autos (auf Kosten der Allgemeinheit) im öffentlichen Straßenraum stehen. Frau Weist konnte sich darüber hinaus als Maßnahmen für ein besseres Mikroklima helle Elemente bei Neubauten, Schwammstadtkonzepte und Wasserspender oder Vernebelung vorstellen. Letzteres gilt auch für Herrn Steinzen. Der außerdem darauf hinweist, dass mit dem Ineos-Gelände demnächst eine neue Industriebrache für die Aufbereitung für Gewerbeflächen zur Verfügung stehen wird.Herr Kellermann lehnt immerhin, ebenso wie Herr Jurkosek, die Abholzung und anschließende Teilversiegelung der großen Steinhalde ab.

  • Welche Konzepte vertreten Sie hinsichtlich der Waldbewirtschaftung, im Rahmen der Klimaveränderung? Soll etwas verändert werden?

Eine andere Waldnutzung als die bisherige Forstwirtschaft konnten sich die Befragten, mit Ausnahme des Kandidaten der Linken, nicht vorstellen. Sie stellten sich hinter das Konzept des ZGB, die kommunalen Wälder zu „verjüngen“, also die älteren Bäume zu fällen und zu verkaufen, sowie neue Arten wie die ortsfremde Douglasie anzupflanzen. Nur Herr Jurkosek kann sich einen naturnäheren Umgang mit dem Wald vorstellen, denn er verwies auf den natürlich gewachsenen Wald auf der Steinhalde, der ohne forstwirtschaftliche Eingriffe wachse und hält das auch für Wittringen für möglich. Herr Kellermann schlägt vor, dass sich ZGB und BUND künftig bei Baumfällungen im Vorfeld abstimmen.

  • Wie stehen Sie zu einem nächtlichen Mähverbot für Mähroboter für den Igelschutz?

Für ein nächtliches Mähverbot zum Igelschutz plädieren alle außer Herrn Rademacher und Herr Kellermann. Sie setzen auf Appelle, Aufklärung und neue Technik bei den Mährobotern.

  • Planen Sie die Einführung einer kommunalen Verpackungssteuer für Einwegverpackungen in Gladbeck?

  • (Hintergrund: Das Beispiel Tübingen zeigt, dass die Einnahmen aus der Verpackungssteuer die Verwaltungskosten um das 9-fache überschreiten können. Die kommunale Verpackungssteuer ist rechtssicher, seit das BVG die Klage von MCDonald am 22.1.25 abgewiesen hat.)

    Eine kommunale Verpackungssteuer lehnen bis auf Herrn Jurkosek alle ab. Sie sei für die Menschen oder für die Gastronomie zu teuer und sie hätte in Tübingen die Müllmenge nicht reduziert.

Unsere Meinung: Es wird deutlich, dass die Dringlichkeit, ein besseres Mikroklima in Gladbeck gegen die wachsende Hitze durch den Klimawandel zu schaffen, deutlich unterentwickelt ist. Da Entsiegelung im Allgemeinen ein großes öffentliches Thema ist, sind alle theoretisch dafür. Aber Ideen für konkrete Umsetzungen existieren, außer in Ansätzen bei dem Linken, nicht. Im Gegenteil: eine weitere Versiegelung wird zugunsten von neuen Gewerbegebieten und mehr Wohnungsbau gewünscht, um die städtischen Einnahmen zu erhöhen. In der Entsiegelung sehen sie keine kommunale Aufgabe, aber Ideen für Versiegelungen gibt es zuhauf.

Auch beim Thema Wald können sich alle außer Herrn Jurkosek etwas anderes als den jetzigen forstwirtschaftlich genutzten Erholungswald mit weniger forstlichen Eingriffen und mehr Selbstentwicklung der Natur nicht vorstellen. Die jetzige forstliche Waldbewirtschaftung führt zu einem suboptimalen Ergebnis: würde man stattdessen eine Waldfläche sich selbst überlassen, wären die ökologischen Resultate viel besser: mehr Biomasse, bessere Wasserhaltung im Boden und eine höhere Bodenqualität, mehr Artenvielfalt und mehr Klimaresistenz des Waldes. Mit dem Wald Geld verdienen, sollte nicht das hauptsächliche Ziel des städtischen Waldbesitzers sein.

Ein kleiner Lichtblick ist nur der nächtliche Igelschutz vor Mährobotern. Hier kann man hoffen, dass er kommen wird.

Zum Thema Verpackungssteuer ist anzumerken, dass das Argument, sie würde die Müllmenge nicht reduzieren, irreführend ist, wie unsere nachträglichen Recherchen zeigen. Laut Greenpeace wird die zitierte Studie falsch interpretiert. Nicht zurückgegangen ist in Tübingen das Gesamtgewicht des Mülls (inkl. oft illegal entsorgter Spermüll und Hausmüll), wobei der Verpackungsmüll nur wenig Gewicht hat, wohl aber verhältnismäßig viel Volumen. Da der Einwegverpackungsmüll nicht schwer ist (nur 1% des gemessenen Müllgewichts), sagt die Studie nichts über seine Reduzierung aus, denn sie bezieht sich auf das Gewicht. Die Stadt Tübingen selbst beobachtet eine Reduzierung des Einwegverpackungsmülls und ein verbessertes Stadtbild. Tübingen hat die meisten Gastronomiebetriebe pro Person mit Mehrweg-Angebot in Deutschland.

Beim Thema Klimaschutz bleibt noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten und ist bei den Gladbecker KandidatInnen noch viel Luft nach oben.

Große Steinhalde vorläufig gerettet

Keine EU-Gelder für die Abbaggerung

In der Sitzung des Planungsausschusses am 20.3.25 gab der Stadtbaurat bekannt, dass der enge Zeitplan für die Nutzung des JTF-Funds der EU nicht eingehalten werden kann und damit kein Geld zur Abbaggerung der Steinhalde vorhanden ist.

Als Grund gab er an, dass sich die Antragsstellung über die Bezirksregierung wegen der vielen Eingaben des örtlichen BUND an Bezirksregierung und NRW-Umweltministerium verzögert hat.

Dem BUND ist es also erst einmal gelungen, die Steinhalde zu bewahren, auch wenn die Stadt nach neuen Fördertöpfen suchen möchte.

Auch eine gegenläufige Bewegung gibt es: eine Ratsfraktion schlägt vor, die Steinhalde unter Naturschutz zu stellen.